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Editorial

Ausgabe 23/08

Wo das Möbel haust

Kunstsammler entdecken die Welt von Tisch und Bett. Bei Christies in London werden schon seit einiger Zeit die Kunstkollektionen mit Design Art aufgemöbelt. So kam kürzlich der berühmte Glastisch von Carlo Mollino für einen Auktionspreis von 2,6 Millionen Euro unter den Hammer. Das in Italien entworfene, feingliedrige Einzelstück mit der lichten Glasplatte und dem reduzierten Eichenunterbau aus dem Jahr 1949 erhielt somit den höchsten Preis für ein Möbelstück des 20. Jahrhunderts. Der Glastisch hat übrigens auch schon vielen Ladenbauern als kreative Vorlage gedient, da sich dieses Objekt wunderbar in jedes Ladenkonzept integrieren lässt.

Mehr Investitionen in Einrichten und Wohnen ist auch derzeit im Schuhhandel angesagt. Das ist zumindest eine Botschaft, die aus dem Ladenbau kommt. Beste Beispiele dafür sind drei große Görtz-Häuser in Frankfurt, Aachen und Hannover, Roland in Dortmund oder Braun in Moers. „Die Auftragslage ist noch gut“, sagt Dr. Wolfram Krause, Geschäftsführer des Deutschen Ladenbauverbandes. Der Handel investiere national und international. Wie es im kommenden Jahr im Rahmen der medial präsenten Wirtschaftskrise aussieht, weiß keiner.

Die neuen Räume für die Schuhe zeigen ein vielfältiges Trendspektrum. Es reicht von der coolen Stimmung wie sie in Antwerpener Lofts zu sehen ist, und geht bis hin zu Kamin--Stimmungen, die an das gediegene Umfeld eines Maßschneiders aus der Londoner Savile Row erinnern. Individualität hat beim modernen Store Branding höchste Priorität. Auch Markenpräsenz sowie Themen- und Erlebniswelten sind aus größeren Häusern nicht mehr wegzudenken. In Schuhkonzepten steckt noch viel Potenzial, sagtt Architekt Klaus Schwitzke, und alle Schuhe, die in Fashionstores sowie bei H & M oder Zara in ihren Lifestylewelten verkauft werden, machen den Kuchen für die Traditionalisten kleiner. Dass sich Kunden über tolle Läden anlocken lassen, ist Fakt, und vielleicht sollte gerade in Zeiten wirtschaftlicher Verunsicherung die emotionale Schiene stärker bewertet werden.

Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin


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