Kennen Sie den? „Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär...“ (Fritz Walter jun.). Oder: „Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt“ (Mario Basler). Oder: „Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl“ (Andreas Möller). Oder: „Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden...“ (Franz Beckenbauer). Die rhetorischen Feinspitzen unserer Fußballer haben uns schon immer erfreut, und es verlangt ja auch kein Mensch, dass hier promovierte Akademiker auf dem Platz bolzen. Wofür inzwischen allerdings ein Abitur ratsam wäre, ist beim Erwerb von Sportschuhen. „Was zum Geier ist Fell Running“, postet ein Facebook User im Hinblick auf eine „Laufen-durchs-Gelände-Art“, die offensichtlich neu angesagt ist. Ehrlich gesagt, war ich erleichtert, dass dies ein junger Kerl gefragt hat, und man nicht selbst wie ein Depp dasteht.
Wer heutzutage Informationen zu Laufschuhen sucht, sieht sich einer Vielfalt von beeindruckenden Wortschöpfungen ausgesetzt. Viele Kunden sind allerdings „vom Angebot total überfordert“, so das Ergebnis unserer Kundenrecherche. Wenn kein Verkaufsmitarbeiter zur Stelle steht, und das ist leider noch häufig der Fall, versteht man bei Morpho Dynamic Sohlensystem, Firetail GTX, Focus LL Lo, Frixion-XF-Sohle und Fuse-Ion Mesh nur Bahnhof.
Bei Wanderschuhen sieht es noch etwas anders aus, aber auch hier soll mit Light- und Speed-Hikern endlich die Rentnerklientel belehrt und junges Publikum an den Schuh gebracht werden. Doch Nomen ist nicht Omen. Die Hiking-Sortimente sind leider zu oft und unverändert in Felsengrau und müdes Braun gehüllt. Hier etwas Flotteres zu finden ist selten. Passform und Funktionalität gibt es reichlich, hören wir von jungen Frauen, aber es gebe, „so viele altmodische Optiken“. Da sollte mancher Outdoorprofi vielleicht mal zu den Modeleuten schielen, die im letzten Winter den angesagten Bergsteigerlook richtig frech und auch authentisch umsetzten – leider ohne große Technik.
Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin