Nachdem im letzten August Geschäftsführer Rainer Worbs das Unternehmen verlassen hat, folgte nun im Mai die nächste überraschende Nachricht: der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christoph von Guionneau, wird ebenfalls dem Familienunternehmen Görtz den Rücken kehren. So ganz freiwillig kommt einem dies alles nicht vor. Natürlich gibt es dazu keine Stellungnahmen. Doch wenn es einem Filialunternehmen nicht so gut geht, muss die oberste Führung wohl die Verantwortung übernehmen.
Und dass Görtz Schwierigkeiten zu meistern hat, ist durchaus zu erfahren. Es sind dies jedoch sicher nicht nur hausgemachte Probleme. Womöglich können in einem erfolgreichen und renommierten, mit Preisen bedachten Unternehmen gewisse Größenphantasien reifen. Zuviel der falschen Ware bei miserablen Saisonverläufen – das tat allen Schuhhändlern weh.
Doch muss festgestellt werden, dass das Marktumfeld schwieriger geworden ist. Wir stecken in einer tiefgreifenden strukturellen Veränderung, die letztlich alle Schuhhändler betrifft. Der Konsument nutzt zunehmend die Möglichkeiten des Online-Geschäfts. Gleichzeitig verstärken sich die Anstrengungen vertikaler Anbieter, Monomarkenshops und von Preiswert-Anbietern. Das Ganze ist, wie mein Gesprächspartner es formulierte, „private equity getrieben“. Das heißt, hinter Zalando und Co. steckt nicht irgendein Händler, sondern Kapitalanleger, die nicht nur mal eben eine Million Euro oder Dollar in die Hand nehmen, sondern gleich mehrere Millionen, zum Beispiel für Werbung, hinblättern. Da kann kaum noch ein Händler mithalten. Auf lange Sicht könnte sich Görtz‘ Multichannel-Engagement, also die frühe Erfahrung auch mit dem Online-Geschäft, zwar auszahlen. Im Moment tobt hier aber der Wettbewerb.
Peter Skop, Chefredakteur