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Editorial

Ausgabe 04/12

Ethik hilft durchaus

Deichmann hat ausführlich seine Unternehmenszahlen bekannt gegeben. Europas größter Schuhhändler verzeichnete auch im vergangenen Jahr Wachstum, und dies nach einem bereits 2010 sehr erfolgreichen Jahr. Über vier Milliarden Euro Umsatz sind eine beachtliche Kennziffer. Dass das Geschäft auch für Deichmann nicht von alleine läuft, lässt sich daran ablesen, dass das Plus hauptsächlich über Flächenexpansion erzielt wurde, denn flächenbereinigt steht auch bei diesem Giganten ein leichtes prozentuales Minus gegenüber dem Vorjahr. Dies ist angesichts der Saisonverläufe und im Vergleich zu den laut IfH vier Prozent Minus des Schuhfacheinzelhandels wahrlich kein schlechtes Ergebnis. Deichmann wächst insgesamt und plant, weiter in Filialen und Logistik zu investieren.
Kurz nach der Veröffentlichung der Konzernzahlen hat Heinrich Deichmann nun auch ein größeres Interview in der Frankfurter Rundschau gegeben. Es zeigt, dass die Presse nicht automatisch Wohlstand und Unternehmertum mit Gier und unsozialem Verhalten verbindet, wie es ihr bei geäußerter Kritik an Unternehmern häufig gerne unterstellt wird. Deichmann wird sehr wohlwollend befragt und kann sich und die persönlichen wie auch unternehmerischen Grundsätze gut darstellen: Abkehr von Minijobbern, Zahlung über Tarif, Aktionen für das Gemeinwohl und Spendenbereitschaft. Ohne mich an dieser Stelle für die Korrektheit der Angaben verbürgen zu wollen, so kommen die Aussagen merkwürdig glaubwürdig rüber.
Als vor Kurzem Schlecker Insolvenz anmelden musste, war dagegen von Mitgefühl wenig zu spüren. Zu häufig war das Unternehmen negativ in die Schlagzeilen geraten. Aus ihnen ließ sich keine positive ethische Grundhaltung ablesen, die den Unternehmenslenker wohl leiten könnte.
So ist möglicherweise Ethik ein Wert, der letztlich zu guten Zahlen beiträgt, auch wenn man dies nicht auf Heller und Pfennig genau beziffern kann.

Peter Skop, Chefredakteur


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