Womit profiliert sich idealerweise der Schuhfachhandel? Mit Qualität, Service, Aktualität und großer Auswahl. Menschen mit besonders großen oder kleinen Füßen etwas bieten zu können, gehört sicher zu einem guten Service dazu. Doch bei näherer Beschäftigung mit Sondergrößen kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dieses Thema nur nach reiflicher Überlegung anzugehen.
Verbraucher und vor allem Verbraucherinnen erstarren nicht mehr in Dankbarkeit, wenn es überhaupt etwas für sie gibt. Sie wollen wie andere auch unter vielen Angeboten wählen können und sich modisch aktuell und ernst genommen fühlen. Die große Mehrheit der Schuhhändler wird von derlei Ansprüchen überfordert sein. So ehrenwert es ist, allen Menschen eine große Auswahl zu bieten, so ist die Gefahr, dass der Händler am Ende auf seiner Ware sitzen bleibt einfach zu groß. Denn die Gesamtmenge in der Bevölkerung, die auf große oder kleine Größen angewiesen ist, ist nicht so groß, als dass jeder Schuhhändler sich damit beschäftigen sollte. Wer nicht ganz sicher einen Kundenstamm hat, der für bestimmte Schuhtypen in Frage kommt, überlässt das Feld lieber den Spezialisten. „Das Geschäft können Sie niemals nebenbei machen, weil es dann nichts bringt“, sagt Georg Horsch. Das Mindeste ist, dass der Händler überschüssige Ware im Internet unterbringen kann. Deichmann hat Übergrößen erst im Netz angeboten und versucht es nun auch stationär. Was da nicht läuft, geht eventuell online.
Womöglich hat man mehr davon, der Kundin oder dem Kunden einen guten Kollegen zu nennen, als sie mit einem zu kleinen Angebot zu frustrieren. Schließlich haben die Großen und die Kleinen auch Freunde und Bekannte im Normalbereich, denen sie den freundlichen Händler empfehlen können. Dabei gilt es, die Entwicklung im Auge zu behalten. Denn was heute noch Übergröße ist, kann übermorgen schon die reguläre Randgröße sein. 24/11
Peter Skop, Chefredakteur