Interessenwahrnehmung
Man weiß es eigentlich schon, doch im Gespräch mit dem Schuhhandel explizit zum Thema Verbundgruppen wird es noch einmal deutlich: Die Interessen sind so unterschiedlich wie die Persönlichkeiten, die hinter den Unternehmen stehen. Für den einen sind Warenprogramme unabdingbar und wichtiger denn je: Prozente werden gebraucht im harten Wettbewerb mit Filialisten und Discountern. Andere legen mehr Wert auf Schnelligkeit, wie Max Schönberg von Fifty-6 in Saarbrücken, oder auf Qualität und das Angebot von Übergrößen, wie Adolf Kauffmann in Bopfingen. Auch immaterielle Werte wie Stärkung des Mittelstands oder Gemeinschaftserleben kamen zur Sprache.
Seltsam berührend fand ich, wenn fast entschuldigend gesagt wurde: „Für mich ist die Zentralregulierung das Wichtigste“, oder „Die Bankleistungen sind mir am wichtigsten“. Dabei sind dies vollkommen legitime Erwartungen, die die Verbundgruppenmitglieder da an ihre Organisation stellen. Gut ist, was den Einzelnen stärkt! Gerade in der heutigen Zeit spielt es eine zentrale Rolle, wenn Schuhhändler mit Bankern aus den eigenen Reihen zu tun haben, die wissen, wie das Geschäft läuft. Das Zuviel an Risiko, das die „normalen“ Banken in den letzten Jahren eingegangen sind, versuchen sie gerne beim Mittelstand wieder wettzumachen und knausern mit notwendigen Krediten.
Ob die Verbundgruppen tatsächlich 2015 schlechter im Markt stehen werden als heute, wie die BBE Retail Experts prognostizieren, ist für mich noch längst nicht ausgemacht. 25/09
Peter Skop, Chefredakteur