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Editorial

Ausgabe 24/09

Gut, besser, am besten

„Das Bessere ist der Feind des Guten“. Ich weiß nicht, welcher kluge Mensch diesen Spruch kreiert hat, doch gültig ist er allemal. Er fiel mir wieder ein als Heinz-Jörg Ebert auf die Frage, ob er auf bestimmte Siegel beim Schuheinkauf achte, meinte: „Die Fokussierung auf ein bestimmtes Siegel würde all unsere Produkte, die ohne Siegel auftreten, in eine ‚nicht umweltfreundliche Ecke‘ rücken. Selbst wenn Materialverwendung und Herstellung vorbildlich wären.“ Zweifellos ein ernstzunehmendes Argument, dessen Stichhaltigkeit weiter zu untersuchen und zu diskutieren ist.
Andererseits beweisen andere Branchen – namentlich die Lebensmittelbranche –, dass ein Nebeneinander von Siegel und Nicht-Siegel funktionieren kann. Mein Lieblingslebensmittler in dieser Beziehung ist Tegut aus Fulda, ein regionaler Filialist, der in den letzten Jahren den Anteil an Bio-Lebensmitteln enorm gesteigert hat. Wolfgang Gutberlet wie auch sein Sohn Thomas, der jüngst den Chefposten übernommen hat, stehen hinter diesem Angebot aus voller ethischer Überzeugung. Dennoch führt Tegut auch ein konventionelles Sortiment und bietet mit einer Preiswertlinie selbst Discountern Paroli. Nach meinem Eindruck hat das konventionelle Angebot nicht gelitten, vielmehr strahlen die hohen Ansprüche, die die Gutberlets an Lebensmittel stellen, auch auf das Nicht-Bio-Sortiment aus. Tegut wirkt glaubwürdig, was die Übernahme von Verantwortung beim Einkauf angeht.
Analog müsste das doch auch in der Mode- und Schuhbranche klappen. Dies erfordert allerdings einen kenntnisreichen Verkäufer. Das Verkaufsargument muss lauten: „Wir verkaufen nur gute Schuhe, aber dieses Paar ist unter dem Umweltaspekt besser, weil ...“  24/09

Peter Skop, Chefredakteur


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