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Editorial

Ausgabe 23/09

Angriff der Flächen

Karl, mei Drobbe“, stöhnt die Mittsechzigerin und ächzt mit ihrem Mann durch die Menschenmassen, die sich am Eröffnungstag ins Frankfurter City-Center My Zeil schoben. Auch die Leute, die ins frisch eröffnete Loop5 nach Weiterstadt wollten, mussten erst mal stundenlang auf dem Zubringer der A5 ausharren, weil die Autobahn zeitweise in beide Richtungen gesperrt war. Ähnlich mag es auch in Essen oder Dresden gewesen sein, als die gigantischen Shoppingtempel ihre Tore öffneten – und die Käuferströme in eine andere Richtung lenkten. In Deutschland bedecken Einkaufszentren inzwischen mehr als 13 Millionen Quadratmeter Fläche. Im Durchschnitt entstehen jährlich 15 neue Center. Hinzu kommen freie Verkaufsflächen durch das Sterben der Warenhäuser. Allein durch die Insolvenz von Hertie sind es mehr als 500 000 qm, die umzugestalten sind.
Für anwr-Chef Fritz Terbuyken ist das aktuelle Problem nicht die Kauf­unlust oder das unpassende Wetter, „es sind die neuen Flächen, die für unsere Häuser weit bedrohlicher sind.“ Dass es eindeutig zu viele Center-Projekte gibt, aus denen erstmal „Einkaufswelten mit Erlebnisfaktor“ werden müssen, ist klar. Denn den Branchenmix mit den immer gleichen Filialisten will wirklich keiner mehr haben.
Für viele inhabergeführte Geschäfte heißt es jetzt , beobachten, aber gelassen bleiben, an sich selbst glauben und selber initiativ werden. Sicher mag bei vielen Leuten das Neue erstmal attraktiver sein, aber den Wunsch, Neues zu erleben, kann jeder Händler seinem Kunden auch mit kleineren Einheiten erfüllen. Es kommt halt darauf an, mit neuen Rezepten auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Also: Brauner Teppich raus ...  23/09

Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin


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