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Editorial

Ausgabe 22/09

Storys von Gut und Böse

American Apparel ist in die Kritik geraten. Die amerikanische vertikale Modekette, die sich um umweltgerechte Produktion, Biomaterialien und um humane Arbeitsbedingungen bemüht, die nicht in Asien sondern mitten in Los Angeles produzieren lässt und mit diesem Konzept erfolgreich auf dem Markt agiert, beschäftigt illegale Arbeiter, hauptsächlich wohl Mexikaner. Sie haben kein Visum und keine Arbeitsgenehmigung. 1800 Arbeiter muss American Apparel nun feuern. Die US-Regierung, speziell die US-Einwanderungsbehörde ist dabei, solchen Arbeitsverhältnissen den Kampf anzusagen. Mit Recht, sollte man meinen.
Doch wie so oft im Leben hat die Geschichte eine zweite Medaillenseite. Nicht nur zahlt American Apparel Gehälter, die über dem Durchschnitt der Branche liegen, das Unternehmen bietet seinen Arbeitern auch Krankenversicherung und subventionierte Verpflegung. Die Tageszeitung Frankfurter Rundschau zitiert den Vorsitzenden einer Organisation, die sich für die Rechte von Einwanderern einsetzt: „Die Firma ist ein guter Freund. Es ist sonst schwer einen Arbeitgeber zu finden, der Illegale wie Menschen behandelt.“
Gut und Böse liegen also häufig eng beieinander. Man erinnere sich nur an die Greenpeace-Kampagne gegen Leder aus dem Amazonasgebiet im Juni, die ernsthaft um saubere Produktion bemühte Firmen wie Adidas oder Timberland getroffen hatte. 22/09

Peter Skop, Chefredakteur


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