Es gab früher mal Modemessen, da prügelten sich am Ende der Messetage ganze Menschentrauben vor den Ausgängen um die Taxen. In Düsseldorf wetzten die Messebesucher schon vor sechs Uhr Richtung Kaiserswerther Straße, um die Taxen, bevor sie überhaupt zum Messegelände kamen, abzufangen. Davon träumen die Droschkenunternehmen nur noch.
Der Run auf die großen Messen hat sich, trotz inzwischen gut ausgebautem öffentlichem Verkehr, beruhigt. „Ein Overkill an Messeveranstaltungen“, wie es Bernd Hummel formuliert, macht die Einkäufer lockerer, und Reisebudgets werden eh runtergefahren. Die ultimative Strahle-Messe, wo jeder hin muss und wo geordert werden müsste, existiert so nicht mehr.„Früher kamen die großen Handelsgruppen mit fünf Einkäufern, schauten und schrieben“, ergänzt der Inhaber einer Modeagentur. Jetzt kommt jeder der Einkäufer noch mal einzeln, und am Schluss kann es sein, dass man sich verabschiedet mit: „Wir sehen uns in Mailand ...“, „Wir sehen uns in München …“, „Wir sehen uns in Breitscheid ...“
Unzählige Messeveranstaltungen und die Tendenz zu reduzierten Vororders sorgen dafür, dass sich Entscheidungsfindungsprozesse wie Gummi dehnen. Wenn man nach dem richtigen Messetermin fragt, bekommt man zudem bei 20 Leuten noch 25 Meinungen obendrauf. Alle Veranstalter klagen über weniger Besucher. Das zieht sich, unabhängig von der Wirtschaftskrise, von Nord nach Süd.
Wie packt man also den Einkäufer? Sind große Messen, wo man jeden erfassen will, nicht mehr zeitgemäß? Sollte man kleinere Pakete schnüren, die stärker auf die jeweiligen Zielgruppe zugeschnitten sind? Es gibt viel zu besprechen.
Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin